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Biokunststoffe

Biokunststoffe: Greenwashing oder echt „bio“?

Unsere Lebensweise führt zu steigenden Ressourcenverbräuchen und mehr Emissionen. Trotz steigender Sensibilisierung für den Umweltschutz produzieren wir Unmengen an Müll. Insbesondere Plastikmüll ist ein grosses Ärgernis. Die Deutsche Umwelthilfe (duh) nennt konkrete Zahlen zur Umweltbelastung: Etwa 10 Millionen Tonnen Plastikmüll überfluten die Weltmeere jährlich. Geschieht nichts, schwimmen 2050 im Meer mehr Plastikteile als Fische. Eine erschreckende Prognose!

Durch Müllvermeidung und umweltfreundliche Verpackungen ohne Plastik kann gegengesteuert werden. Sind Biokunststoffe das Material der Zukunft?


Was sind Biokunststoffe?

Als Biokunststoff, Bioplastik oder biobasierte Kunststoffe bezeichnet man Kunststoffe, die zum wesentlichen Anteil oder sogar ausschliesslich aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Aber auch einige petrochemische – also ölbasierte – Kunststoffe fallen in diese Kategorie, wenn sie abbaubar sind.

Der Begriff Biokunststoff umfasst daher eine grosse Kategorie: Nicht alle Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind abbaubar, während einige ölbasierte Kunststoffe hingegen kompostierbar sind.



© Endres/Siebert-Raths: „Technische Biopolymere. Rahmenbedingungen, Marktsituation, Herstellung, Aufbau und Eigenschaften“ (München, 2009, Carl Hanser Verlag)


Es ergeben sich die folgenden drei Biokunststoffgruppen

  • abbaubare petrobasierte Biokunststoffe
  • abbaubare (überiwegend) biobasierte Kunststoffe
  • nicht abbaubare biobasierte Kunststoffe

Verwendung von Biokunststoffen

Die European Bioplastics (EUBP) haben aktuelle Marktdaten veröffentlicht: Aktuell beträgt der Anteil der Biokunststoffe weniger als ein Prozent aller jährlich produzierten Kunststoffe von insgesamt 335 Millionen Tonnen. Mit 1,2 von insgesamt 2,1 Millionen Tonnen Biokunststoffen fällt der Grossteil in den Bereich der Verpackungen. Prognosen gehen von einem Wachstum des gesamten Biokunststoffmarktes von 25 Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre aus. Grund dafür ist die grosse Nachfrage nachhaltiger Produkte.

Deshalb werden innovative Biokunststoffe wie PLA (Polyactide) und PHA (Polyhydroxyalkanoate) als grösste Wachstumstreiber gesehen. Denn diese Biopolymere sind sowohl biobasiert als auch biologisch abbaubar.


Biokunststoffe sind nicht immer von Vorteil

Der Begriff Biokunststoff klingt vielversprechend: umweltbewusst und nachhaltig. Auch wenn die Bezeichnung das nicht vermuten lässt, stehen Biokunststoffe häufig in der Kritik. Denn nur eine der drei Biokunststoffgruppen erfüllt die Anforderungen der Ressourcenschonung und der biologischen Abbaubarkeit. Und obwohl vor einigen Jahren grosse Erwartungen an Biokunststoffe gestellt wurden, konnten diese bislang noch nicht erfüllt werden:

Beim Anbau und der Verarbeitung werden trotz allem fossile Energien benötigt. Obwohl weniger Erdöl zum Einsatz kommt und bei Produktion, Gebrauch und Entsorgung weniger CO² entsteht, birgt der Anbau der Rohstoffe negative Effekte für Boden und Gewässer durch Versauerung und Überdüngung. Das Umweltbundesamt konnte bislang im Vergleich keine ökologischen Vorteile von Bioplastik feststellen.

Ausserdem landen bioabbaubare Kunststoffe in der Regel mit herkömmlichen Kunststoffen in der Recyclinganlage und werden nicht separat entsorgt. Der Vorteil der Bioabbaubarkeit geht somit vollständig verloren. Eine biologisch abbaubare Mülltüte hat aber auch nichts in der Biokompostieranlage zu suchen, dort werden diese meist aussortiert. Das hat gleich mehrere Gründe:

  1. Die Mülltüten unterscheiden sich nicht von herkömmlichen Mülltüten
  2. Sie brauchen sehr lange um zu verrotten, deutlich länger als der normale Biomüll. Plastikreste im Kompost mindern allerdings den Wert
  3. Wenn Biokunststoffe verrotten, bringt das aktuell keine Nährstoffe oder einen anderen Mehrwert für den Kompost, der oft als Dünger eingesetzt wird. So gesehen entsteht dabei Energie, die nicht genutzt wird. In einer Recyclinganlage wird die Energie immerhin in Form von Wärme weitergenutzt

Verbesserungsbedarf beim Bioplastik

Bei der Umsetzung eines sinnvollen Konzepts und dem Recyclingkreislauf gibt es bei Bioplastik noch deutlichen Verbesserungsbedarf. Aber trotz vieler Kritikpunkte sind Biokunststoffe eine vernünftige Entwicklung.

Die Erdölreserven sind endlich und aufgrund technischer Einschränkungen kann nur ein Bruchteil davon leicht gefördert werden. Durch die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe ist der Einsatz effizient planbar und der CO²-Ausstoss wird gesenkt. Zudem werden in Zukunft wohl noch umweltfreundlichere Biokunststoffe entwickelt werden. Wenn der Anteil an Biokunststoffen prozentual steigt, lohnt sich auch ein Recyclingkreislauf. Mit einem Marktanteil von unter einem Prozent ist dafür aus heutiger Sicht einfach noch nicht ausreichend verwertbares Material vorhanden.

In Hinblick auf die zukünftigen Möglichkeiten treibt das Verpackungsgesetz die Nutzung von Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen und recycelbaren Materialien voran.

Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie

Auch wenn die Nutzung von Biokunststoffen noch nicht gänzlich ausgereift ist, weist die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und abbaubaren Kunststoffen eine positive Entwicklung auf, die es gilt, weiter voranzutreiben. Speziell beim Einsatz von Lebensmittelverpackungen bieten sich bioabbaubare Kunststoffe an, um die Ware für den kurzen Zeitraum vom Transport bis zum Verbraucher zu schützen.

Müll, speziell Plastikmüll, ist ein Problem, das uns alle angeht. Immer wieder werden mögliche Wege zu mehr Nachhaltigkeit in der Verpackung gesucht. Doch neue, nachhaltigere Verpackungen alleine sind nicht die Lösung. Viel wichtiger ist es, den persönlichen Umgang mit Plastik zu hinterfragen. Plastiktüte oder Mehrwegtasche? Kapselkaffee oder frische Bohnen? Das Konsumentenverhalten ist mit der wichtigste Faktor.